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StartseiteBlogKauf und VerkaufKfz-Kaufvertrag: Hand drauf reicht nicht
12 April 2021

Kfz-Kaufvertrag: Hand drauf reicht nicht

Hat man sein Traumauto gefunden und ist mit dem/der Verkäufer*in handelseinig, macht man einen Kaufvertrag. Was es hier zu beachten gilt und ein kostenloser Muster-Kaufvertrag zum Herunterladen.

Wer nicht Jura studiert hat, und das ist sicher bei den meisten Käufer*innen der Fall, hat Glück, denn für alles im Leben gibt es ein Muster, auch für Verträge zum Gebrauchtwagenkauf. Einen solchen Mustervertrag bietet euch auch CARFAX an. Die Haftung für diese Musterverträge wird aber meist ausgeschlossen, weil grundsätzlich nur ein Rechtsanwalt rechtsberatend tätig werden darf und für seine Beratung zu einem Kaufvertrag dann auch haftet. Ein Kaufvertrag beschreibt, welches Auto ein/e Verkäufer*in an eine/n Käufer*in verkauft. Als Gegenleistung zahlt der/die Käufer*in einen Kaufpreis. Hört sich einfach an, aber ist nicht ohne. Denn es lauern Fallstricke.

Kaufvertrag Muster

für den privaten Verkauf eines gebrauchten und privat genutzten Fahrzeuges

Kaufvertrag herunterladen

Der Kaufvertrag eines Gebrauchtfahrzeugs unterliegt keinen formellen Regeln. Er kann also auch handschriftlich erstellt werden. Im Prinzip geht es auch mündlich. Sollte es allerdings zu Rechtsstreitigkeiten kommen, stünde so aber nur Aussage gegen Aussage. Daher sollte man die Vereinbarung schriftlich niederlegen. Beim Autokauf unterscheidet man zwei Vertragsarten: zum einen der Vertrag mit einem Unternehmen oder mit einem/r Händler*in, zum anderen mit einer Privatperson. Ob beim Privatkauf oder im professionellen Handel: Die Grundlagen sind die Daten aus dem Fahrzeuginserat.


💡 Es ist sinnvoll, eine Kopie der Anzeige bei den Fahrzeugdokumenten aufzubewahren. Das hilft bei Rechtsstreitigkeiten.


Vertrag und Sachmängelhaftung

Kauft man im Autohaus, wird dieses vom Gesetz in die Pflicht genommen, wenn ein Sachmangel auftritt. Das gilt übrigens für alle Unternehmen, die als Verkäufer eines Autos auftreten, also auch wenn ein Lieferservice ein Fahrzeug aus seiner Firmenflotte oder ein Fahrzeug von einem Handwerksbetrieb verkauft wird. Unseriöse Verkäufer*innen versuchen die gesetzliche Gewährleistung auszuschließen, indem sie den Passus „unter Ausschluss der Sachmängelhaftung“ oder „ohne Gewährleistung“ in den Vertrag aufnehmen möchten. Oder sie behaupten, der/die Käufer*in ist ein Unternehmen. So wollen sie ihre gesetzliche Pflicht zur Sachmängelhaftung umgehen oder einen Privatkauf „simulieren“.

Beim privaten Kauf darf der/die private Verkäufer*in die Gewährleistung für offensichtliche Mängel ausschließen. Das ist oft mit der gern genommenen Floskel „wie gesehen, so gekauft“ gemeint. Allerdings ist die Formulierung kein vollständiger Gewährleistungsausschluss! Es werden nur offensichtliche Mängel von der Gewährleistung ausgeschlossen (z. B. sichtbare Kratzer, Schrammen, Beulen oder Sprünge in der Windschutzscheibe oder auch eine kaputte Klimaanlage, wenn sie zum Zeitpunkt der Besichtigung defekt war).

Der Grund, warum viele trotzdem von privat kaufen wollen, ist der Preis, der meist unter dem im Handel liegt. Man sollte aber sehr genau prüfen, ob das Auto straßentauglich und mangelfrei ist.

Wenn nach dem Kauf ein sogenannter „versteckter Mangel“ (z. B. ein unrichtiger Kilometerstand, ein zu hoher Ölverbrauch, eine defekte Zylinderkopfdichtung oder ein äußerlich nicht erkennbarer Unfallschaden) am Fahrzeug festgestellt wird, gilt folgendes: Wenn ein versteckter Mangel vorliegt und ein wirksamer genereller Gewährleistungsausschluss im Kaufvertrag nicht getroffen wurde, kann der Käufer grundsätzlich folgende Gewährleistungsrechte aus dem Bürgerlichen Gesetzbuch gegen den Verkäufer geltend machen: Reparatur, Neulieferung, Minderung, Schadenersatz oder Rücktritt vom Kaufvertrag. Es kommt auf den Einzelfall an, welches Gewährleistungsrecht zur Verfügung steht (Neulieferung macht beim Gebrauchtwagenkauf keinen Sinn).


💡 Ein genereller Gewährleistungsausschluss ist unter anderem dann nicht wirksam, wenn ein Verkäufer einen verdeckten Mangel zum Zeitpunkt des Verkaufs kennt, aber arglistig verschweigt.


Achtung beim Privatkauf – Zusätzliche Sicherheit mit einem Gutachter

Private Verkäufer dürfen mit einer Klausel im Kaufvertrag aber auch einen generellen Gewährleistungsausschluss vereinbaren. Dieser greift dann nur in dem Fall nicht, wenn der Verkäufer zum Zeitpunkt des Verkaufes von einem (versteckten) Mangel wusste und diesen dem Käufer arglistig verschweigt. Dann kann der Käufer trotz generellem vertraglichen Gewährleistungsausschluss den Kaufvertrag anfechten und vom Kauf zurücktreten.

Ohne den Blick eines/r Experten*in auf den Gebrauchtwagen ist das Risiko jedoch hoch. Im Falle des Entdeckens eines versteckten Mangels nach dem Kauf muss der Käufer dem/der vorherigen Eigentümer*in nämlich beweisen, dass dieser Mangel schon vorher da war.

Übrigens: Gebrauchtwagengarantien von Händlern*innen haben nichts mit der gesetzlichen Gewährleistung zu tun. Die Garantie ist ein reines Verkaufstool des Handels. Die kann man mitunter gegen Aufpreis erwerben. Bei vielen Autohäusern ist sie jedoch Bestandteil des Vertrages und im Kaufpreis eingeschlossen. Die Bedingungen kann der/die Verkäufer*in allerdings frei bestimmen. Ist die Garantie kostenpflichtig, heißt es, Kosten und Nutzen genau abzuwägen.

Liegt der Vertrag vor, sollte man ihn sehr sorgfältig lesen. Das scheint zwar selbstverständlich, aber in der Aufregung übersieht man vielleicht wichtige Punkte im Kaufvertrag. Also: Zeit nehmen fürs Lesen und Verstehen. Ist ein Passus unklar, fragen. Denn das kostet nichts. Kommt das Auto von einem/r ausländischen Verkäufer*in, sollte man ein fremdsprachiges Vertragsdokument aus Verständnisgründen immer übersetzen lassen.

Im Kaufvertrag sollte auch erklärt werden, wie eine mögliche Mehrwertsteuer behandelt wird. Wenn keine anfällt, sollte auch das drinstehen.

Wichtig ist, dass der/die Verkäufer*in im Kaufvertrag dieselbe Person ist, die in den Zulassungspapieren genannt wird. Verkauft ein Autohaus im Auftrag eines/r Kunden*in, muss eine Vollmacht des/der Kunden*in vorliegen.

Welche Angaben in den Kfz-Kaufvertrag gehören

1. Die persönlichen Daten der/der Vertragspartner*in, also des Käufer*in und der Verkäufer*in. Um ganz sicherzugehen, ist es sinnvoll, die Ausweisnummern im Vertrag zu notieren.

2. Die Daten des Fahrzeugs müssen aufgeführt werden. Also die Fahrzeug-Identifizierungsnummer (umgangssprachlich Fahrgestellnummer), um welches Fahrzeug es sich handelt, wie hoch die Laufleistung laut Tacho ist. Sonderausstattung und Zubehör sollten natürlich auch aufgeführt werden.

3. Ganz wichtig sind mögliche bestehende Schäden oder Fahrzeugmängel. Den Verkäufer treffen hierbei verschiedene Aufklärungspflichten. Zum Beispiel muss der Verkäufer konkrete Fragen des Käufers immer vollständig und richtig beantworten. Angaben „ins Blaue hinein“ genügen nicht. Auch ohne Nachfrage des Käufers muss über folgendes aufgeklärt werden:

  • Unfallschäden (nicht: Bagatellschäden)

  • Vorherige Mietwagennutzung

  • Eigene Reparaturen durch den Verkäufer

  • Das Fehlen deutscher Fahrzeugpapiere

  • Mögliche Re-Import Eigenschaft

Der Gebrauchtwagenhändler muss einen vorherigen Import von einem fliegenden Zwischenhändler angeben und eine nicht erfolgte Untersuchung auf Unfallschäden vor dem Verkauf.

4. Ist das Auto noch auf den/die vorherige/n Fahrzeughalter*in zugelassen, wird die Verpflichtung zur schnellstmöglichen Ummeldung mit aufgenommen. Hilfreich sind außerdem vorbereitete Dokumente für die Veräußerungsanzeigen bei der Zulassungsstelle und der Haftpflichtversicherung.

5. Das Datum und die Uhrzeit der Übergabe müssen vermerkt werden.

6. Der/die Käufer*in quittiert den Empfang der Schlüssel und der Fahrzeugpapiere*, nachdem die vereinbarte Kaufsumme geflossen ist.

7. Beim privaten Verkauf darf der/die Verkäufer*in die Gewährleistung für Mängel am Fahrzeug ausschließen.

8. Der Kaufvertrag und alle weiteren zugehörigen Dokumente müssen in zweifacher Ausfertigung vorliegen (eine Ausfertigung für den/die Verkäufer*in, eine für den/die Käufer*in und jeweils von beiden Parteien unterschrieben werden.


💡 Diese Papiere müssen beim Verkauf übergeben werden:

  • Zulassungsbescheinigung Teil I(Fahrzeugschein). Er ist der Ausweis des Automobils und muss bei jeder Fahrt mitgeführt werden. Es ist zugleich die Bestätigung, dass das erworbene Auto auf den Straßen fahren darf. Im Fahrzeugschein werden bauliche Änderungen, wie Tuningteile vermerkt, genauso wie der nächste technische Prüftermin.

  • Übergeben werden muss auch die Zulassungsbescheinigung Teil II oder auch Fahrzeugbrief. Er weist den/die Eigentümer*in des Fahrzeugs aus. Mitgegeben wird auch der letzte TÜV-Bericht und die AU-Bescheinigung, das Serviceheft und optimalerweise Wartungs- und Reparaturrechnungen. Handelt es sich um ein Unfallfahrzeug, sind die Schadensdokumente wichtig. Zusätzlich die von beiden Vertragsparteien unterzeichneten Veräußerungsanzeigen für die Zulassungsstelle und für die Kfz-Haftpflichtversicherung. Wechselt ein Auto privat den Besitzer, geht die Versicherung nämlich mit. Konkret bedeutet das: die Versicherung des Verkäufers geht auf den Käufer über. Muster für Veräußerungsanzeigen kann man sich im Internet herunterladen.


In welchen Fällen ein Kaufvertrag rückabgewickelt werden kann

Wurde der Vertrag im Internet geschlossen, greift das Fernabsatzgesetz. Darum kann in dem Fall binnen 14 Tagen ohne Angabe von Gründen vom gesetzlichen Widerrufsrecht Gebrauch gemacht und vom Kaufvertrag Abstand genommen werden.

Unterschreibt man den Vertrag in den Räumen oder auf dem Gelände des/der Verkäufer*in, gibt es kein Widerrufsrecht. Ausnahmen bestimmen wie immer die Regel. Benötigt man für den Kauf einen Kredit, den der/die Händler*in bei seiner Autobank vermittelt, kann der Vertrag gekündigt werden, wenn das Kreditinstitut das Darlehen nicht gewährt. Eine weitere Option ist das grundsätzliche Widerrufsrecht bei Krediten. Ein Rücktrittsrecht besteht zudem bei erheblichen Mängeln und nach der Weigerung des/der Verkäufer*in, diese zu beheben.

Im Autohandel funktioniert eine Vertragsauflösung nur, wenn „ein erheblicher Mangel vorliegt, damit ein Rücktritt erfolgen kann. Als erheblich gilt ein Mangel in der Regel, wenn die Kosten für dessen Behebung mehr als fünf Prozent des Kaufpreises betragen würden. Im Streitfall entscheidet darüber aber das Gericht“, heißt es beim Versicherer Advocard. Aber nur dann, wenn der Schaden nicht im Vertrag vermerkt wurde, so die Expert*innen.

Kaufvertrag Muster

für den privaten Verkauf eines gebrauchten und privat genutzten Fahrzeuges

Kaufvertrag herunterladen

Wer bei Streitfällen außergerichtlich hilft

Was aber kann man machen, wenn man einen Mangel feststellt, über den man nicht vom Verkäufer informiert wurde? Weigert sich der/die Verkäufer*in dafür einzustehen, sollte man zunächst eine außergerichtliche Einigung anstreben. In Deutschland kann man bei einem Kauf im Autohandel die Schiedsstelle des Deutschen Kraftfahrzeuggewerbes anrufen (www.kfz-schiedstellen.de). Dort können Kund*innen ihre rechtlichen Ansprüche beim Gebrauchtwagenkauf überprüfen lassen. Bei privaten Käufen sollte man ebenfalls eine freie Schiedsstelle anrufen.

Kommt man so nicht weiter, gibt es nur den Weg zum/zur Rechtsanwalt*in. Doch vorher sollte man prüfen, ob sich das rentiert. Denn die Kosten für ein Rechtsverfahren können schnell teuer werden. Da ist die Reparatur auf eigene Kosten vielleicht günstiger.

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