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Det Müller in einer braun-schwarzen Lederjacke in einer Werkstatt.
29 Oktober 2026
Von Det Müller

Unfallschäden erkennen – Dets Tipps für euren Fahrzeugcheck

Det Müller ist ein deutscher TV-Moderator und Gründungsmitglied von "GRIP – Das Motormagazin". Seit 2004 gehört er zu den bekanntesten Gesichtern der deutschen Autoszene. In diesem Beitrag erklärt er, auf welche Anzeichen ihr bei einem Gebrauchtwagen achten solltet, um mögliche Unfallschäden zu erkennen.


Moin Leute, ihr seid auf der Suche nach einem neuen Alten? In der Anzeige sieht alles piko aus, unfallfrei, wenig runter und auch der Preis ist ok. Aber ist der Wagen ein Blender und hat vielleicht schon mal einen Treffer kassiert? Also: Augen auf beim Autokauf.

Ruft euch am besten schon vor dem Ortstermin einen CARFAX Report ab! Dafür braucht ihr die Fahrzeug-Identifizierungsnummer, kurz FIN. Der Report kann euch – abhängig von den verfügbaren Daten – Hinweise auf dokumentierte Schäden und Unfälle liefern. Entweder lasst ihr gleich die Finger von dem Auto – oder ihr könnt vor Ort gezielter hinschauen, nachfragen und im Zweifel einen besseren Preis rausholen.

Ich zeige euch, wo ihr Hinweise auf einen Bumms findet – von der Abschleppöse bis zur Beschriftung der Scheiben. Dabei gilt: Eine einzelne Auffälligkeit beweist noch keinen Unfall. Kommen mehrere zusammen, solltet ihr mit dem Verkäufer in die Sprechstunde gehen.

Abschleppöse checken – hing der schon mal am Haken?

Fangen wir im Kofferraum an. Dort liegt bei vielen Autos die einschraubbare Abschleppöse beim Bordwerkzeug. Schaut euch das Teil mal an: Hat es deutliche Gebrauchsspuren? Ist die Beschichtung abgeschabt oder die Öse richtig abgeknabbelt? Dann wurde sie möglicherweise schon benutzt.

Auch die kleine Abdeckung vorne an der Stoßstange kann etwas verraten. Dahinter sitzt das Gewinde für die Abschleppöse. Sind an den Kanten Spuren vom Aufhebeln zu sehen, wurde dort offenbar schon mal angesetzt.

Heißt das automatisch Unfallwagen? Nee. Auch wenn nur mal die Batterie schlapp gemacht hat, kann die Kiste abgeschleppt worden sein. Aber es ist ein guter Anlass für die Frage: Warum hing der Wagen am Haken?

Blechcheck – hält er oder fällt er?

Ein kleiner Magnet kann euch helfen, gespachtelte Stellen aufzuspüren. Wickelt ihn am besten in ein weiches Tuch, damit er den Lack nicht zerkratzt. Auf Stahlblech haftet er normalerweise. Zieht er an einer Stelle deutlich schwächer an als daneben, könnte unter dem Lack eine dickere Spachtelschicht stecken.

Interessant sind zum Beispiel Radläufe, Kotflügel und Türen. Vergleicht mehrere Stellen und möglichst auch die andere Fahrzeugseite.

Aber aufgepasst: Auf Aluminium und Kunststoff haftet ein normaler Magnet ebenfalls nicht. Ein Magnet, der abfällt, ist deshalb noch kein Beweis für einen reparierten Schaden.

Felgen und Reifen – war das nur der Bordstein?

Wenn ihr schon am Radlauf seid, schaut gleich eine Etage tiefer. Wie sehen die Felgen aus? Gibt es tiefe Kerben, Verformungen oder Schäden an der Reifenflanke?

Ein kleiner Bordsteinkratzer erzählt eine andere Geschichte als eine verformte Felge mit beschädigtem Reifen. Auffälligkeiten an derselben Fahrzeugecke solltet ihr zusammen betrachten: beschädigtes Rad, frisch lackierter Kotflügel, schiefe Spaltmaße? Spätestens jetzt solltet ihr den Verkäufer richtig durchquizzen.

Spaltmaße vergleichen – passt hier alles zusammen?

Jetzt geht’s an die Abstände zwischen den Karosserieteilen. Schaut euch die Fugen an Motorhaube, Türen, Kotflügeln und Heckklappe an. Verlaufen sie einigermaßen gleichmäßig? Oder wird ein Spalt nach unten plötzlich deutlich schmaler?

Hier kommt dafür ein konisch zulaufender Kugelschreiber zum Einsatz.

Vergleicht vor allem links und rechts. Sitzt ein Scheinwerfer anders als sein Gegenstück? Steht eine Ecke der Motorhaube hoch? Schließen Türen und Klappen sauber? Wenn ja, wurde nachbestellt, ausgebaut oder ersetzt. Bei manchen Modellen sind scheppe Spaltmaße ab Werk inklu. Die meisten Amis kommen schon krumm vom Band.

Scheibenbeschriftung lesen – wie alt ist das Glas?

Hier kommt ein Detail, das man schnell übersieht: die kleine Beschriftung auf den Scheiben. Je nach Hersteller lässt sich daraus das Herstellungsdatum des Glases ablesen. Die Codierung ist allerdings nicht überall gleich.

Vergleicht die Angaben der Scheiben miteinander und mit dem Produktionszeitraum des Autos. Wichtig: Im Fahrzeugschein steht unter Feld B die Erstzulassung, nicht das genaue Baujahr. Eine Scheibe darf deshalb durchaus älter sein als dieses Datum.

Ist eine Scheibe dagegen deutlich jünger als das Auto, kann es auch mal gescheppert haben. Fragt nach dem Grund und lasst euch vorhandene Rechnungen zeigen. Eine neue Frontscheibe kann schlicht auf einen Steinschlag zurückgehen. Zusammen mit weiteren Reparaturspuren werde ich skeptisch.

Schrauben im Motorraum – wurde hier schon geschraubt?

Motorhaube auf und die Befestigungen anschauen, etwa an Kotflügeln, Haubenscharnieren und im Bereich der Front.

Fallen einzelne auffällig neue Schrauben zwischen älteren auf? Gibt es Werkzeugspuren, abgeplatzten Lack an lackierten Schraubenköpfen oder verschobene Abdrücke unter den Unterlegscheiben? Das kann darauf hindeuten, dass hier Teile gelöst, eingestellt oder ausgetauscht wurden.

Auch hier zählt der Zusammenhang. Eine neue Schraube allein macht noch keinen Unfallwagen. Zusammen mit einem neuen Scheinwerfer und einer nachlackierten Fahrzeugseite könnt ihr den Verkäufer mal in den Beichtstuhl setzen.

Nachlackierungen erkennen – schaut auch an die versteckten Stellen

Besichtigt den Wagen möglichst sauber, trocken und bei Tageslicht. Schaut schräg über die Karosserie: Unterscheidet sich der Farbton zwischen Tür und Kotflügel? Wirkt die Oberfläche an einer Stelle rauer? Erkennt ihr Lackläufer, Staubeinschlüsse oder Schleifspuren?

Schaut außerdem in Türöffnungen, unter die Motorhaube und an die Kofferraumkanten. Lacknebel auf Gummidichtungen oder Kunststoffteilen und deutliche Abklebekanten können verraten, dass nachlackiert wurde.

Vorgeschichte prüfen – bevor ihr über den Preis redet

Wenn euch etwas auffällt, fragt konkret: Was wurde beschädigt? Welche Teile wurden ersetzt? Gibt es Fotos, Rechnungen oder ein Gutachten?

Ein reparierter Vorschaden muss kein Ausschlussgrund sein. Entscheidend ist, wie groß der Schaden war, ob er fachgerecht behoben wurde und ob der Preis dazu passt. Bei Zweifeln hilft ein unabhängiger Fahrzeugcheck.

Ein Report ohne Schadeneintrag garantiert allerdings keine Unfallfreiheit. Also: Vorgeschichte checken, Auto gründlich anschauen und Auffälligkeiten klären. Dann habt ihr auch für die Preisverhandlung eine bessere Grundlage.


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