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StartseiteBlogBetrugsfälleSalvage Title: Unfallfreier Autokauf
10 Februar 2021

Salvage Title: Unfallfreier Autokauf

Das Angebot auf der US-Gebrauchtwagenplattform ist zu schön, um wahr zu sein. Der Kauf wäre trotz Transportkosten ein echtes Schnäppchen. Doch beim genauen Lesen der Annonce taucht der Begriff „Salvage Title“ auf. Das sollte die innere Warnblinkanlage auslösen.

Der „Salvage Title“ ist in den USA ein Indiz dafür, dass das Auto erhebliche Schäden aufweist. Wer technisch versierte/r Hobbyschrauber*in ist, könnte dennoch mit Eigenleistung aus dem Fahrzeug ein Schmuckstück für kleines Geld machen. Laut dem US-Gebrauchtwagen-Wertermittler Edmunds bewegen sich die Preise bis zu 40 Prozent unter den aktuellen Marktpreisen.

Bevor man aber vor Freude tanzt, sollte man sich genau darüber informieren, warum das Fahrzeug den „Salvage Title“ trägt. Der wird in den meisten der US-Bundesstaaten dann verhängt, wenn es sich um einen Unfallwagen handelt, der einen Schaden von 75 bis 90 Prozent am Gefährt ausweist. In Europa nennt man das Totalschaden.

Was ein „Salvage“-Titel aussagt

Der Grund für einen „Salvage Title“ muss jedoch nicht immer ein Unfall gewesen sein. In manchen Bundesstaaten werden Autos ebenfalls so markiert, wenn sie durch Wetterkatastrophen wie Hochwasser oder Hurrikans nicht mehr fahrtüchtig sind. Ein Hagelschaden kann genauso Anlass für den Eintrag sein. Ein weiterer Grund sind Schäden durch Vandalismus.


💡 Die Angabe für den Grund des Titels ist in den USA nicht einheitlich vorgeschrieben. Einige Staaten geben den Grund an, andere nicht. Die Namensgebung weicht in einigen Bundesstaaten ab. Manchmal werden diese Titel als „Junk -Title“ bezeichnet. Auch hier gilt: Das Auto muss in die Schrottpresse. In Staaten wie Arizona, Florida, Georgia, Illinois, Maryland, Minnesota, New Jersey, New Mexico, New York, Oklahoma und Oregon wird ein „Salvage Title“ dann erteilt, wenn ein Fahrzeug als gestohlen gemeldet wurde.


Es besteht ebenfalls die Möglichkeit, dass das Auto gestohlen und nach einiger Zeit wiedergefunden wurde. Die Versicherung hat den Schaden aber bereits abgewickelt und verkauft darum das Fahrzeug.

Fahrzeuge mit „Salvage Title“ haben ihren Markt. In den USA werden sie von spezialisierten Verwertern aufgekauft. Diese richten sie wieder her. Die ehemaligen Schrottkarren müssen danach eine technische Sicherheitsprüfung absolvieren, ehe der Titel gelöscht wird. Unter den Käufer*innen gibt es aber auch Teileverwerter*innen, die das Auto auseinandernehmen und Ersatzteile in den Handel geben.

Ein breites Feld für Betrüger*innen

Mitunter tummeln sich unseriöse Unternehmen in dem Geschäft. Um den Titel aus den Dokumenten zu löschen, melden sie das Fahrzeug einfach in einem anderen US-Staat an. Beim Export hat das Auto dann „saubere“ Papiere.

Doch nicht nur die Dokumente werden manipuliert. Die Fahrzeuge selbst werden im großen Stil notdürftig (manchmal mit Teilen aus unterschiedlichsten Automobilen) zusammengeschraubt. Das passiert gerne in osteuropäischen Staaten, lässt sich aus der CARFAX Statistik ablesen. In den Jahren von 2001 bis heute wurden 2.147.779 Gebrauchtwagen nach Osteuropa importiert. Davon zählten 82,5 % zu der Kategorie Fahrzeuge mit „Salvage Title“. Vor allem Georgien scheint in den vergangenen Jahren das Paradies für diese US-Importe zu sein. Die werden dort dann optisch aufgepeppt und als „Schnäppchen“ über Autobörsen oder via Händler*innen Richtung Westeuropa verkauft.

Die Zahlen sinken zwar derzeit, das dürfte jedoch der Pandemie geschuldet sein. Auch Direktimporte sind keine Seltenheit. Beispiel Deutschland: 1.177.078 Gebrauchtwagen wurden in den vergangenen 20 Jahren aus den Staaten importiert, davon hatten gut ein Drittel einen „Salvage Title“.

Wer jetzt denkt, die Salvage-Fahrzeuge, die nach Europa importiert werden, sind „Ami-Schlitten“ erlebt eine Überraschung. Auf der Import-Hitliste aus den Staaten sind viele deutsche Marken zu finden. An den volumenmäßig ersten beiden Positionen rangieren Toyota und Ford, dann folgt schon BMW. Von den 324.493 eingeführten Gebrauchtwagen fielen 74,4 % unter die Kategorie Salvage. Auf den Plätzen 4 und 5 finden sich Modelle von Mercedes-Benz und Volkswagen. Importierte Audis sind zu 80 % mit dem Titel gebrandmarkt.

Prüfen die Käufer*innen den Grund für den Titel vorab nicht, erleben sie vielleicht dasselbe wie die Klientel eines Autohändlers in Kassel im Jahr 2019. Die Regionalzeitung „HNA – Hessische Nassauische Allgemeine“ berichtet, dass die Staatsanwaltschaft gegen einen Autohausbesitzer und dessen Sohn ermittelte. Die Autos, für die sich die Kundschaft entschieden, „waren nur auf den ersten Blick unfallfreie Gebrauchtwagen“, importiert aus den USA. Wer die Fahrgestellnummer auf speziellen Internetseiten eingab, fand heraus: Die Autos hatten einen Totalschaden. Sie wurden dann – davon gehen die Experten aus – in Osteuropa aufbereitet, bevor sie der Kasseler Händler zum Kauf anbot.“  Gegen die beiden liefen 35 Strafanzeigen, die als ein Verfahren zusammengefasst, die Abteilung Wirtschaftskriminalität auf den Plan rief. „Außerdem gibt es in diesem Zusammenhang eine Vielzahl weiterer Einzelverfahren, bestätigte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft“, so die HNA. Der Händler kassierte eine nicht mehr rückzahlbare Anzahlung. Im Vertrag trat der Autohändler dann auch noch als Vermittler auf und nicht als Verkäufer. Damit wollte er die Gewährleistung ausschalten.

Den Ärger hätten die Geschädigten vermeiden können. Damit man nicht auf Kriminelle reinfällt, empfiehlt es sich als allererstes eine CARFAX Gebrauchtwagenhistorie anfordern. Grundsätzlich erfüllt das Verschweigen des „Salvage Titles“ den Tatbestand des Betrugs. Darum sind in der Dokumentation die Titel US-übergreifend vermerkt.

Der Kauf eines Salvage-Fahrzeugs kann eine günstige Gelegenheit sein

Der Kauf eines Autos mit diesem Titel muss aber nicht grundsätzlich schlecht sein. Wenn man ein begrenztes Budget und technisches Know-how hat, kann das Salvage-Fahrzeug durchaus eine günstige Option sein.

Salvage Title - Risiken und Vorteile

Da sich ein Flug in die Staaten zur Begutachtung meist nicht rechnet, sollte das Auto zuvor vor Ort von einem/r neutralen/r Gutachter*in eingeschätzt werden. Der oder die kann beurteilen, ob das Fahrzeug eine Gelegenheit ist oder nur noch eine Fahrt machen sollte - die zum Schottplatz.

Der/die Expert*in kann dann darüber hinaus einen Kostenvoranschlag machen, was eine Reparatur kosten würde. Vielleicht kommt so auch der Grund für den Eintrag als „Salvage“-Fahrzeug ans Licht.

Wie das Auto sollte auch der/die Händler*in einer Prüfung standhalten. Recherchen im Internet wie Google Earth oder Bewertungen in den sozialen Medien von bisherigen Kund*innen können hier sehr hilfreich sein.

Das ist aber vielleicht gar nicht mehr nötig, wenn man zuvor die CARFAX Gebrauchtwagenhistorie angefordert hat und damit weiß, ob das Fahrzeug das hält, was in der Anzeige steht.

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