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09 März 2020

Scheckheftgepflegt: Das zahlt sich aus

Man liest in der Anzeige oder auf dem Verkaufsschild „Scheckheftgepflegt“. Der Begriff steht dafür, dass das Fahrzeug regelmäßig in der Werkstatt gewartet wurde. Das gibt dem/der Käufer*in die Sicherheit, ein technisch einwandfreies Auto zu bekommen. Dafür zahlt man gerne mehr.

Kauft man sich ein Auto, liegt bei den etwas älteren Baujahren (meistens im Handschuhfach) eine Mappe. Darin findet sich die Bedienungsanleitung und das sogenannte Scheckheft. Das heißt deshalb so, weil früher Hersteller beim Neuwagenkauf Coupons, also Schecks, in einem Heft für kostenlosen Service als Benefit draufgelegt haben. Das ist Vergangenheit, der Name nicht.

Scheckheftgepflegt ist ein Qualitätsprädikat

Der heutige Zweck eines Scheckhefts entspricht dem eines Prädikats. Es bestätigt, dass das Fahrzeug (das gilt ebenso für Motorräder und -roller) die empfohlenen Wartungsintervalle und Servicearbeiten des Herstellers durchlaufen hat. Dokumentiert von der Werkstatt, die im Heft notiert, was, wann und bei welchem Kilometerstand das Auto überprüft und welche Arbeiten in der Folge ausgeführt wurden.

Das sind in der Regel Auffüllen der Schmierstoffe oder Bremsflüssigkeiten, der Austausch des Luftfilters oder das Prüfen des Reifendrucks. Dadurch ist das Serviceheft ein Qualitätsmerkmal, zertifiziert durch Stempel und Unterschrift des/der Werkstattmitarbeiter*in. Weitere Angaben beispielsweise, welches Motoröl der Hersteller empfiehlt (wenn es sich nicht um ein reines Elektroauto handelt) oder welches Sonderzubehör im Fahrzeug vorhanden ist, sind auch Teil des Inhalts.

Falsche Angaben sind ein Sachmangel

Natürlich ist jedem klar, dass ein Fahrzeug mit vielen Kilometern Laufleistung nicht mehr dem 100 % Neuwagenzustand entspricht. Doch scheckheftgepflegte Automobile spiegeln einen gepflegten Zustand wider und verkaufen sich darum besser und teurer.

Dazu muss man aber wissen, dass der Begriff in Deutschland „scheckheftgepflegt“ rechtlich bindend ist. Das Kammergericht Berlin (AZ 7 U 179/10) stellt in einem Urteil fest, dass die Angabe eine Beschaffenheitsvereinbarung erfüllt. Damit versichert ein/e Verkäufer‘*in, dass die Servicearbeiten und -termine bei der bisherigen Nutzung alle fachgerecht erledigt wurden.

Trifft das aber trotz der Angabe „scheckheftgepflegt“ bei den Verkaufsangaben nicht zu, stellt das einen Sachmangel dar. Das bedeutet, der Vertrag kann rückabgewickelt werden. Oder der Kaufpreis muss nachträglich gemindert werden. Zumindest sollte der/die neue Besitzer*in beim Feststellen eines Mangels nach dem Verkauf im Zweifelsfall ein Gutachten erstellen lassen. Ist der Mangel trotz des Siegels „scheckheftgepflegt“ schon länger vorhanden, müssen mögliche Reparaturen auf Kosten des/der Verkäufer*in durchgeführt oder ein angemessener Schadenersatz geleistet werden.

Scheckheftgepflegt ist kein Rechtsbegriff, aber rechtlich relevant

Allerdings hat die Sache einen Haken: Die Formulierung scheckheftgepflegt ist kein Rechtsbegriff, aber dennoch rechtlich bindend und das macht den Begriff zu einer Auslegungsfrage. Um also ganz sicherzugehen, sollte der/die Käufer*in sich genaustens informieren, was der/die Verkäufer*in darunter genau versteht, rät die Rechtsschutzversicherung advocard. Es könnte sich lediglich um eine Auflistung aller Werkstattbesuche handeln. Das heißt aber nicht, dass alle vom Hersteller empfohlenen Wartungsintervalle und -aufgaben ausgeführt wurden.

Wird beim Verkauf eines Fahrzeuges in der Anzeige mit „scheckheftgepflegt“ geworben, sollte der Begriff in den Kaufvertrag aufgenommen werden, raten die Jurist*innen. Grundsätzlich ist jedoch niemand verpflichtet, ein solches zu führen.

Die Freiwilligkeit gilt in allen EU-Ländern. Dennoch sollte man beim Kauf eines Wagens, der noch Herstellergarantie hat, darauf bestehen. Denn der Hersteller verlangt eine Dokumentation, ob die Wartungsintervalle eingehalten wurden. Kann man das nicht nachweisen, könnte das zum Erlöschen der Garantie führen. So gewährt beispielsweise Hyundai eine Herstellergarantie von mindestens fünf Jahren. In der Zeit ist die Dokumentation des Scheckheftes bindend. „Das Serviceheft muss mit dem Stempel der Werkstatt abgestempelt sein“, erklären der EU-Verbraucherschutz ergänzend.

Papierform oder digital – beides geht

Die jüngeren Leser*innen sind jetzt sicher erstaunt, dass es das Scheckheft* überhaupt noch in Papierform gibt. Das trifft allerdings nur auf ältere Modelle zu. Die Wartungshistorie auf Papier ist ein Auslaufmodell. Die meisten Hersteller führen heute laut Untersuchung des ADAC das Scheckheft für ihre Kunden in digitaler Form und speichern es in einer Datenbank ab, gibt der Automobilclub an. Das gilt allerdings nur für die Markenwerkstätten, kritisiert der ADAC. Nutzt man freie Werkstätte, haben diese oft keinen Zugang zu den Datenbanken der Hersteller. Der Club rät zudem, dass man nach Reparaturen und Wartungsarbeiten immer nachfragt, ob die Mechaniker*innen die Tätigkeiten im digitalen Serviceheft eingetragen haben. Noch sicherer ist es, sich immer eine aktuelle digitale Kopie zusenden zu lassen.

Ist bei älteren Modellen das Scheckheft verloren gegangen, kann man ein neues Exemplar anfangen. Damit die Werkstatt vergangene Termine einträgt und abstempelt, braucht man die alten Rechnungen als Nachweis. Hat der/die Vorgänger*in aber die Werkstattrechnungen nicht mehr, ist es schwierig, versäumte Einträge nachzuholen.

Wer das Scheckheft fälscht, täuscht arglistig. Man kann anhand der Stempel und Eintragungen durch einen Anruf im Servicebetrieb überprüfen, ob der Eintrag dort gemacht wurde. Darüber hinaus kann man an den Zusatzeinträgen (wie das Etikett des Ölwechsels) die Seriosität überprüfen. Um in Sachen Original oder Fälschung ganz sicherzugehen, fragt man den/die Verkäufer*in - zusätzlich zum Scheckheft - nach den Rechnungen der Werkstatt.

Durch die Lektüre des Scheckheftes werden zwei wichtige Fragen vor der Verkaufsverhandlung beantwortet: Wurde das Auto regelmäßig gewartet und stehen bald neue Werkstatttermine an? Mögliche anstehende Reparaturkosten können den Preis entsprechend mindern.


💡 Mittlerweile wird statt des Begriffes Scheckheft auch die Bezeichnung Checkheft verwendet, weiß „Wikipedia. Damit ist gleichzeitig der Ablauf einer Wartung gemeint, bei der der/die Servicetechniker*in Prüf- oder eben Checklisten abarbeitet und abhakt.


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