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StartseiteBlogBetrugsfälleAutodiebstahl: Heiße Ware
09 März 2020

Autodiebstahl: Heiße Ware

Es ist im ersten Moment unglaublich. Wie jeden Morgen will man ins Auto steigen, um zur Arbeit zu fahren, aber es ist nicht mehr da. Dabei parkt man immer an derselben Stelle. Langsam dämmert es einem. Das Auto ist gestohlen worden.

Autoknacker agieren schnell. Sie schlagen die Seitenscheiben ein oder hebeln Schlösser aus, erklärt die Präventionsstelle der Polizei. Dabei geht es ihnen oft nicht um die Autos, sondern auch um Teile. Begehrt sind Navigationssysteme, Airbags, Lenkräder, Batterien und Katalysatoren. Dabei gibt es zwei Vorgehensweisen: Das Fahrzeug wird im Ausland ausgeschlachtet oder die Einzelteile werden vor Ort gestohlen. Hier ist viel Geld zu holen. Europol sprengte beispielsweise mit der deutschen Kriminalpolizei in Litauen einen Diebstahlring für Autoteile. Der hatte nach Schätzungen der Behörde Autoteile im Wert von 1,35 Millionen Euro gestohlen.

Neuwagen sind trotz verbesserter Schutzmaßnahmen seitens der Hersteller auch nicht sicher vor Autodieben. Bei Probefahrten oder bei Mietfahrzeugen werden Schlüssel kopiert. Es gibt keine favorisierte Tageszeit, der Diebstahl kann jeder Zeit passieren, stellt die Polizei fest. Gerne geklaut wird in Ballungsräumen.

Man kann jedoch einiges tun, um einen Autodiebstahl zu verhindern

1. Schotten dicht

Also Fenster, Türen, Kofferraum und Tankdeckel bei Verlassen des Wagens abschließen. Das gilt auch, wenn man tankt und nur mal kurz bezahlen geht. Das Verriegeln der Türen mit einem Funkschlüssel wird immer durch ein optisches oder akustisches Signal quittiert. Ist das nicht der Fall, könnte ein Funkblocker das Funksignal der Fernbedienung blockieren. Damit ist das weiterhin offen. Also genau hinhören und hinschauen, ob das Auto zu ist. Darüber hinaus gibt es mechanische sowie elektronische Sicherungen, zum Beispiel das Lenkradschloss. Wenn es eingerastet ist, benötigt der Autodieb viel länger, also lässt er lieber die Finger davon.

2. Schlüssel sind ein Knackpunkt

Keyless-Systeme sind komfortabel, bergen bei älteren Wagen Sicherheitsrisiken. Die Schlüssel sollten nie in der Nähe der Haus- oder Wohnungstür liegen. Man kann sichergehen, indem an die Schlüssel in Alufolie einwickelt. Warum? Dadurch werden die sonst permanent ausgesendeten Funksignale unterbrochen. Wenn das nicht reicht, es gibt spezielle Behälter. Die kann man beim Autohandel oder über Kaufportale wie Amazon ab 10 Euro erwerben. So können die Funkwellen nicht übertragen werden. Das passiert, weil Diebe mit modernsten Mitteln den Schlüssel „hacken“. Wenn sich Personen mit Aktenkoffern in der Umgebung des Autos ohne Anlass bewegen, könnte das ein Versuch sein, das Fahrzeug zu öffnen. In eine der Koffer fängt eine Antenne die Funksignale auf und sendet diesen an den Empfänger im zweiten Koffer, der von einem zweiten Täter, der sich am Auto platziert hat, gesendet wird und schon ist das Auto auf.


💡 Ob die Alufolie wirklich die Funksignale unterbricht, kann man selbst testen. Öffnet das Auto trotz der Schlüsselverpackung, ist die Folie zu dünn.


Ist der Schlüssel unauffindbar, sollte man die Werkstatt wenden. Die können ihn sperren.

Schlüssel niemals in Taschen stecken, die für Taschendiebe erreichbar sind. Also nicht in der offenen Handtasche, sondern im (am besten mit Reißverschluss gesicherten Innenfach) oder in der Gesäßtasche der Jeans aufbewahren. Grundsätzlich gilt: Je länger ein Dieb braucht, um an den Schlüssel heranzukommen, desto weniger wird er es wollen, da so die Gefahr der Entdeckung steigt.

Professionelle Autodiebe brechen darüber hinaus in Häuser oder Wohnungen ein, um in Besitz des Fahrzeugschlüssels zu gelangen. „Da Fahrzeug- und Hausschlüssel meist in der Diele liegen oder am Schlüsselbrett hängen, ist es dann ein Leichtes, Fahrzeuge sogar aus einer abgeschlossenen Garage zu entwenden“, erklärt die Polizei.

3. Autos nicht an öffentlich zugänglichen Stellen abstellen

Vor allem teure Autos nicht am Straßenrand oder in nicht umzäunten Carports abstellen, lieber eine Garage mieten. Wenn das nicht geht, sollte man sie an gut beleuchteter Stelle parken. Vor allem Luxusschlitten werden gerne auf Bestellung geklaut.

4. Diebe sondieren vorab

Bemerkt man Personen in Fahrzeugen mit einem ortsfremden Nummernschild, die die Straße auf und ab fahren, sollte man das Kennzeichen notieren. Das gilt auch, wenn jemand das Auto fotografiert.

5. Dieben nicht zeigen, was im Auto ist

Man kann es nicht oft genug sagen: keine Wertgegenstände wie Laptop, Kamera oder Handy im Innenraum deponieren. Wenn dann im Kofferraum, wo der Dieb sie nicht direkt sehen kann. Bei Kombis immer die Abdeckung nutzen, um den Inhalt zu verdecken.

Schnell handeln, wenn das Auto weg ist

Passiert es dennoch, sind umgehend Schritte zu unternehmen: Wenn man sich ganz sicher ist, dass kein anderes Familienmitglied mit dem Auto unterwegs ist, muss unverzüglich eine Anzeige erstattet werden. Die Polizei überprüft dann automatisch, ob der Wagen nicht wegen falschen Parkens abgeschleppt wurde.

Um den Autodiebstahl aufnehmen zu können, braucht die Polizei den Kfz-Schein und den Personalausweis des/der Bestohlenen. Nachdem die Aufnahme erfolgt ist, wird nach dem Auto gefahndet. Wichtig ist, dass man ein Protokoll von der Polizei erhält. Das braucht man, um den Autodiebstahl bei der Versicherung melden. Die Allianz rät „spätestens innerhalb einer Woche“ die Versicherung zu informieren. Telefonisch reicht nicht aus. Dennoch kann es nicht schaden, schnell vorab zu informieren. Die Schadensmeldung muss aber dann schriftlich eingereicht werden.

Die Zulassungsstelle ist ebenfalls so schnell es ihnen möglich ist zu benachrichtigen. Denn das Auto könnte in ein Verbrechen verwickelt werden. Das könnte weiteren Ärger fürs Opfer bedeuten. Denn der oder die Bestohlene ist dann erst mal in der Beweislast. Ist die Zulassungsstelle ins Bild gesetzt, wird das Fahrzeug abgemeldet. Zur Abmeldung muss Fahrzeugbrief und -schein vorgelegt werden.

Schlagen die Diebe im Ausland zu, geht man zur örtlichen Polizei und zeigt den Verlust an. Mit dem dort angefertigten Protokoll meldet man nach der Rückkehr bei der Polizei am Wohnort den Diebstahl.

Die Versicherung übernimmt

Wenn das Auto gestohlen wurde, ersetzt die Teilkaskoversicherung den Schaden. Auf den Schadenfreiheitsrabatt wirkt sich ein Autodiebstahl nicht aus, heißt es bei den Versicherern.


💡 Der Schadenfreiheitsrabatt wird dann gewährt, wenn man längere Zeit unfallfrei fährt. Die Versicherungen (die dadurch weniger Kosten haben) belohnen das mit einer Einstufung in eine höhere Schadenfreiheitsklasse (SF-Klasse).


Hat man die Formalitäten erledigt, schätzt ein Sachverständiger bei Gebrauchtfahrzeugen den Wiederbeschaffungswert. Der entspricht dem derzeit gehandelten Marktpreis. Die Summe wird von der Versicherung ersetzt, wenn das Auto nach vier Wochen nicht gefunden wurde. Taucht es innerhalb des ersten Monats wieder auf, muss der/die Halter*in es zurücknehmen. Ist die Frist vorbei und das Auto wird gefunden, gehört es der Versicherung.

Bei Neuwagen ist der Wiederbeschaffungswert durch den rasanten Wertverfall in den ersten Monaten meist niedriger als der Kaufpreis. Damit bleibt die Differenz beim Bestohlenen hängen. Will man das verhindern, kann man für die erste Zeit Neuwert- oder Neupreisentschädigung in die Police aufnehmen lassen.

Autodiebstahl - Es kann jeden treffen

Wie lukrativ Fahrzeugdiebstahl für Langfinger ist, belegt die offizielle Statistik der Europäischen Union. In den 27 EU-Ländern wurden im Jahr 2018 rund 528.000 polizeilich erfasste Fahrzeugdiebstähle registriert. Laut EU-Zahlen waren im Zeitraum 2016 bis 2018 je 100.000 Einwohner vor allem Fahrzeugbesitzer in Griechenland, Italien, Frankreich, Schweden und den Niederlanden betroffen. In Dänemark wurde am wenigsten gestohlen.


💡 „Fahrzeugdiebstahl“ beinhaltet laut EU-Definition den Diebstahl von Krafträdern, Personenkraftwagen, Bussen, Lastkraftwagen, Bulldozern usw. Die Melde- und Aufzeichnungspraxis variiert allerdings und beeinträchtigt den Vergleich zwischen den Ländern und Jahren.


Endgültig gestohlene Pkw nach Fahrzeugherstellern

Quelle: BKA: Bundeslagebericht

Diebstähle von Fahrzeugen fällt unter die organisierte Kriminalität. Spezialisierte Banden knacken Autos mit modernsten Mitteln wie das Kopieren des Autoschlüssels. Eine zweite Möglichkeit: Per Laptop hacken sich die Diebe in die Elektronik der Autos. Vor allem bei denen, die auf der Straße oder in einem Parkhaus abgestellt sind. Doch das ist kein Problem. Dafür brauchen sie in der Regel zwischen 45 und 60 Sekunden.

Diebe sind besonders auf Volkswagen, Audi, BMW und Mercedes-Benz erpicht. Dann geht es ab in die Ostblockstaaten. Von dort aus wird das Diebesgut weiter in den Osten Europas, nach Zentralasien oder Westafrika verschoben. Aber auch der Seeweg über Antwerpen ist eine gerne genommene Route, um die gestohlenen Autos nach Westafrika zu verschieben, ein ebenfalls „attraktiver Markt“.

Im Bundeslagebericht des Bundeskriminalamts heißt es zu den Autodiebstählen, dass der Großteil der „Absatzmärkte“ von in Deutschland entwendeten Fahrzeugen im Osten Europas liegen. „Wichtige Zielstaaten sind vor alle Litauen und Polen. Osteuropa ist jedoch nicht nur bedeutende Ziel-, sondern auch eine bedeutende Transitregion von in Deutschland gestohlenen Fahrzeugen nach Zentralasien (insbesondere Usbekistan und Tadschikistan).“

Jeder Diebstahl kostet mehr als 19.000 Euro

Wie hoch der wirtschaftliche Schaden durch Autodiebstahl ist, lässt sich am Beispiel Deutschland belegen. Im Jahr 2019 wurden nach Angaben des Bundeskriminalamts 33.400 Diebstahlsanzeigen aufgenommen. Laut Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) summierte sich der Schaden im selben Jahr für die Versicherungsgesellschaften auf fast 280 Millionen Euro. Im Durchschnitt zahlten sie für jeden Diebstahl mehr als 19.600 Euro.

Das Spitzenmodell der Langfinger war der BMW X6. Überhaupt waren SUVs begehrte Ware, gibt der deutsche Versicherungsverband an. Laut der Experten waren es zuletzt weniger Neuwagen, sondern eher Fahrzeuge der vorherigen Generation, die noch nicht über die verbesserten Sicherheitstechnologien verfügen. „Die Bemühungen der Autohersteller, ihre Keyless-Entry-Systeme sicherer zu machen, zahlen sich offenbar aus“, sagt GDV-Geschäftsführer Jörg Asmussen.

Die Banden agieren grenzenlos

Die Zahlen sanken zwar zuletzt, dennoch ist der Autodiebstahl ein echtes Problem. Wurden die Fahrzeuge ins Ausland verbracht, lassen sich die Delikte nur schwer ermitteln. Das nutzen Banden, die sich als schlagkräftige Einheiten von ein paar Personen in einem gut organisierten Netzwerk operieren. So machen kleine Gruppen große Beute, heißt es bei Europol, der europäischen Kriminalverfolgungsbehörde. Bei einer Aktion von schwedischer und polnischer Polizei wurden beispielsweise 2019 neun Diebe gefasst, die durch den Diebstahl von einigen Luxusautos rund 280.000 Euro ergaunert haben.

So oder so. Der Autoklau ist immer mit viel Aufwand für das Opfer verbunden. Darum ist Zeit und Geld für den Diebstahlschutz gut investiert. Und man freut sich, wenn man morgens wie gewohnt in sein Auto steigen kann.

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