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18 Dezember 2021

Charakterstudie zu Autofahrenden: Wer sitzt denn da hinter dem Steuer?

Ist es ein Vorurteil oder eine Charakterfrage, wenn Autofahrer*innen bestimmter Marken gewisse Eigenschaften nachgesagt werden? Das untersuchten zwei Studien. Die eine kommt aus Finnland, die andere aus Kalifornien. Zwei Länder, die nichts gemeinsam haben, außer der Ansicht, dass man die Fahrer*innen von Marken in Schubladen stecken kann. Doch das ist nur ein Teil der Wahrheit.

1. Sag mir, welches Auto du fährst und ich sage dir, wie du tickst

Vorurteile:

✔ Fahrer*innen von Premiumautos sind arrogant und rücksichtslos ✔ Fahrer*innen von Premiumautos wollen ihre Überlegenheit zeigen ✔ Fahrer*innen von Premiumautos sind zuverlässig ✔ Fahrer*innen von Premiumautos wollen gute Qualität

Der schwedische Professor Jan-Erik Lönnqvist und sein Team untersuchten in der Studie „Not only Assholes drive Mercedes“, ob sich von der Automarke auf den Charakter eines Fahrers oder einer Fahrerin schließen lässt. Dazu führten die Wissenschaftler mit knapp 1.900 finnischen Fahrer*innen für die Universität in Helsinki Tests durch, um die Persönlichkeitsmerkmale zu ermitteln. Im Rahmen des Versuchs kategorisierte das Forscherteam das generelle Konsumverhalten und die Vermögensverhältnisse der Probanden*innen. Die Ergebnisse wurden dann nach fünf psychologisch anerkannten Kriterien eingeordnet: Aufgeschlossenheit, emotionale Labilität bzw. Stärke, Geselligkeit, Perfektionismus, Rücksichtnahme und emotionale Labilität.

Sozialpsychologe Lönnqvist hatte die Idee zur Studie, weil sich aus seiner Sicht Autofahrer*innen deutscher Premiummarken besonders rücksichtslos verhalten. Und seine Studienergebnisse scheinen ihm recht zu geben – und auch wieder nicht.

Auf sich selbst gerichtete Männer, die hartnäckig, aber nicht emphatisch sind, fahren mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Premiummodell wie Audi, BMW oder Mercedes-Benz. Sie denken von sich, sie sind die besseren Menschen und wollen das mit dem Oberklasse-Fahrzeug belegen, lautet ein Fazit von Lönnqvist. Autos sind für sie ganz klar ein Statussymbol, so die Forscher.

Doch das trifft nicht auf alle Premiumauto-Lenker zu. Es gibt da ebenso die andere Gruppe. Das sind Fahrer, die sich durch Gewissenhaftigkeit, Zuverlässigkeit und Seriosität auszeichnen. Sie sind gut organisiert, leistungsorientiert und achten auf ihre Gesundheit, schreibt ihnen Lönnqvist ins Zeugnis. Sie fahren die Premiumautos, weil sie darüber hinaus ein hohes Qualitätsniveau bevorzugen, heißt es in der Studie. Aber auch, weil sie mit einer etablierten Marke sagen wollen, seht her, ich bin ein gewissenhafter Mensch. Sie wollen also genauso zuverlässig wirken, wie ihr Produkt.

2. Oberklasse vs. Kleinwagen

Vorurteile: ✔ Kleinwagenlenker*innen bremsen auch für Fußgänger*innen ✔ BMW-Fahrer*innen sind häufig Rüpel ✔ Hybridlenker*innen sind nicht automatisch Umweltschützer*innen Welch Geisteskind hinter dem Lenker sitzt, untersuchte auch das Forscherteam von Paul Piff von der University of California (Berkeley/US-Staat Kalifornien) im Zusammenhang mit einer Studie zum Verhalten von reichen Menschen („High social class predicts increased unethical behavior,” by Paul K. Piff, Daniel M. Stancato, Stéphane Côté, Rodolfo Mendoza-Denton and Dacher Keltner, PNAS (2012)). Pfiff und seine Mannschaft erforschten an einer Kreuzung mit mehreren zulaufenden Straßen, wie sich Autofahrer*innen gegenüber den anderen Verkehrsteilnehmer*innen verhalten. „Dabei war zu beobachten, dass die Fahrer*innen teurer Autos eher andere Autofahrer*innen an einer Kreuzung schnitten“, sagte Piff der „New York Times“. Zudem „übersehen“ Autofahrer*innen von teuren Fahrzeugen gerne mal ein Verkehrsschild. Vor allem BMW-Fahrer*innen hätten sich rücksichtslos verhalten, steht in der Studie zu lesen. Doch auch Fahrer*innen von Hybridfahrzeugen, vor allem die von Toyota Prius, hielten sich häufig nicht an Verkehrsregeln.

Die Beobachtung war Teil einer groß angelegten Untersuchung, wie sich vermögende von einkommensarmen Menschen charakterlich unterscheiden. Ein weiteres Resümee der Forscher: Je kleiner das Auto war, desto eher nahmen die Lenker*innen Rücksicht auf Fußgänger*innen.

3. Frau versus Mann

✔ Frauen legen weniger Wert auf das Statussymbol Auto ✔ Frauen bremsen häufiger als Männer für Fußgänger*innen ✔ Männer wie Frauen bremsen eher für Frauen als für Männer Interessant sind auch die Geschlechterunterschiede. Die schwedische Studie ermittelte, dass sich Rambo-Verhalten nur bei Männern feststellen ließ. Zudem legen die Frauen nicht so den Wert darauf, Autos als Statussymbole zu betrachten.

Dass die männlichen Fahrer hier anders ticken, mag auch daran liegen, dass viele Männer glauben, dass teure Autos ihre Attraktivität erhöht. Doch laut einer britischen Umfrage denken Frauen, dass Männer mit dicken Schlitten arrogant sind und sich wie Machos gebärden.

Dass das weibliche Geschlecht sich im Verkehrsgeschehen eher umsichtig verhält, stellte auch das Wissenschaftsteam in Kalifornien fest. Frauen bremsen eher für Passanten*innen als Männer. Übereinstimmend bremsten beide Gruppen für weibliche Fußgänger eher als für männliche.

4. Farben sind wie Ausweise

✔ Gedeckte Töne sollen Eleganz und Zurückhaltung vermitteln ✔ Rot vermittelt Sportlichkeit und Dynamik ✔ Grau gilt als solide Farbe

Die Farben Grau, Weiß und Schwarz dominieren in Westeuropa die Autolack-Statistik. 2020 lag Grau ganz vorne und dass das fünfte Jahr in Folge. Gefolgt von Schwarz und mit Abstand auf Platz 3 Weiß. Blau, Rot und Braun folgen. Signalfarben sind also laut Statistik eher selten. Fragt man Farbexpert*innen, sagen sie: Leuchtende und lebhafte Farben vermitteln jugendliche Verspieltheit, Sportlichkeit und Dynamik, während die gängigen dunkleren Töne ein Ausdruck von Eleganz und Zurückhaltung vermittelt.

Hier deckt sich die Erkenntnis der Farbwissenschaftler*innen mit den Erkenntnissen der Sozialforscher*innen aus Helsinki. Sie unterteilen in zwei Gruppen. Fahrer*innen von Premiummodellen bevorzugen eher dunkle und gedeckte Töne wie eben Grau oder Schwarz. Das steht in der Außenwirkung Solidität, Zuverlässigkeit und Seriosität. Wer gerne sportlich wirken will, wählt Signalfarben wie Rot oder Weiß. „Farbe ist immer auch Haltung“, sagt Farbexperte Markus Schlegel in einem Interview. „Bei Autos haben daher Signalfarben mit einer gehörigen Portion Selbstbewusstsein oder je nach Produkt einfach auch mit Lebensfreude zu tun. „Bei Sportwagen definiert der Farbton immer auch die Geschwindigkeit – da bleibt rot einfach die schnellste Farbe.“ Nicht umsonst sieht man so viele rote Porsche 911er.

All diese wissenschaftlichen Erkenntnisse belegen aber nur eines. Keine Marke hat Fahrer*innen, die entweder oder sind. Sie können charakterlich sowohl als auch sein. Nur BMW-Fahrer*innen müssen noch den Beweis antreten.

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