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26 Februar 2020

Rumgemacht: Warum der Tachostand auf den Prüfstand muss

Ein Autokauf ist nicht alltäglich und meist eine teure Angelegenheit. Logisch, dass man sich auf die Suche nach Schnäppchen auf den Autoportalen macht. Doch wie weiß man, ob das Angebot seriös ist? Der Tachostand ist da ein wichtiges Indiz.

Als Laie hat man es beim Fahrzeugkauf nicht leicht. Wie, bitte, soll man wissen, ob das angebotene Fahrzeug das hält, was die Angaben des/der Verkäufers*in versprechen. Nun, zunächst sollte man sich auf das eigene Gefühl, die Optik des Autos, aber vor allem auf den Kilometerstand verlassen. Der sollte zum Alter des Autos passen. Die gefahrenen Kilometer sagen viel über den Zustand und somit den Wert eines Gebrauchtwagens aus. Um höhere Preise zu kassieren, neigen unseriöse Verkäufer*innen dazu, den Tacho zu manipulieren. Den Kilometerstand mit dem entsprechenden Werkzeug zurückzudrehen ist einfach. Die Manipulation nachzuweisen dagegen nicht.


💡 Ein Tacho zu verstellen ist technisch kein Problem. Im Internet sind entsprechende Werkzeuge dafür für rund 150 Euro legal bestellbar. Mit der Geräte-Software kann der Kilometerstand geändert werden – und das meist ohne Ausbau über die am Fahrzeug installierte Buchse, die der Eingang für die Diagnose-Geräte ist.


Der Gebrauchtwagenmarkt zieht Betrüger*innen an

In 25 europäischen Ländern gelten die Manipulationen des Kilometerstands als unrechtmäßig. Doch die Strafen variieren vom Kavaliersdelikt bis hin zur Freiheitsstrafe. Das öffnet Tacho-Betrügereien Tür und Tor. Zudem verspricht der Gebrauchtwagenmarkt ein lohnendes Geschäft. Wie lohnend belegt die Umsatzstatistik. Beispiel Deutschland: Nach Angaben von Statista wurden im Jahr 2019 auf dem Gebrauchtwagenmarkt knapp 90 Millionen Euro erlöst.

​Im Jahr 1 der Pandemie sanken oder stagnierten die Absätze im Gebrauchtwagensegment - allerdings von Markt zu Markt unterschiedlich. „Das Verkaufsvolumen in der Europäischen Union lag Corona-bedingt 16,4 % unter dem Vorjahreswert“, ermittelte der aktuelle Indicata Market Watch für das vergangene Jahr. Der Trend setzte sich in vielen Märkten 2021 fort. In den Niederlanden schrumpfte der Markt im Januar um rund zehn Prozent. Schweden legte 2020 zu, aber zum Beginn dieses Jahres schwächelte auch dort der Handel mit Gebrauchten. In Spanien stagnierte er. Deutschland, sonst im Januar ein wachsender Markt, drehte ebenfalls eine Nullrunde. Klingt Corona ab, was hoffentlich der Fall sein wird, werden viele auf die Suche nach einem Fahrzeug gehen. Denn aufgrund des Ansteckungsrisikos gewann das Auto gegenüber öffentlichen Verkehrsmitteln wieder an Attraktivität - sogar bei den jüngeren Zielgruppen.

Im Schnitt sind 12 Prozent der Tachos in der EU manipuliert

​Das verführt Kriminelle zu einer erschreckend hohen Zahl an Tacho-Manipulationen. In einer EU-Parlamentsdebatte gab der Verkehrsexperte Ismail Ertug an, dass auf den jeweiligen nationalen Märkten bis zu 12 Prozent aller Gebrauchtwagen manipuliert sind. Im grenzüberschreitenden Handel sogar zwischen 30 und 50 Prozent, sagt der deutsche Abgeordnete. Darum müsse eine einheitliche Lösung gefunden werden.

Die Belgier lösen das mit einem Zertifikat. Dort hat man zur Betrugsbekämpfung den „Car-Pass“ eingeführt. Darin muss lückenlos von Werkstatt oder den Prüfinstitutionen in einer Datenbank dokumentiert werden, was der Tachostand zum Zeitpunkt der Vorführung ausweist. „Seit Einführung des Car-Passes ist die Zahl der Fälle innerhalb von zwei Jahren auf nahe Null gesunken“, gibt der EU-Parlamentarier Pascal Arimont zu Protokoll. Ähnlich ist es in den Niederlanden. In dem EU-Land gibt ein Pendant zum belgischen Autopass, den Nationale Auto Pas (NAP). In Schweden konnten seit der Einführung der Gebrauchtwagenhistorien von CARFAX die Tachobetrügereien laut der Unternehmensstatistik von etwa 10 auf unter drei Prozent gesenkt werden.

Eine europaweite Regelung tut auf jeden Fall not. Schon, um den Ruf des Gebrauchtwagenhandels aufzupolieren. Eine Umfrage der Europäischen Kommission aus dem Jahr 2016 ergab, dass der Tacho-Betrug das Vertrauen der Verbraucher beeinträchtigt. Der Gebrauchtwagenmarkt wird von den Bürgern*innen der Europäischen Union als einer der am wenigsten vertrauenswürdigen Sektoren eingestuft. Doch die EU-Mühlen mahlen leider langsam.

Eine einheitliche Lösung wie offene Daten würden es den Betrügern*innen schwermachen. Das Prinzip der offenen Daten wird in Deutschland bereits von einigen Kommunen praktiziert, die ihre Daten der Allgemeinheit zur Verfügung stellen. Denn der Schaden wächst mit jedem Tag. In der Bundesrepublik beispielsweise ist bei jedem dritten Gebrauchtwagen der Tacho manipuliert, ermittelte der ADAC im vergangenen Jahr. Das führte nach Angaben des Automobilklubs zu einer Schadenshöhe von sechs bis sieben Millionen Euro jährlich.

Und dass, obwohl die Bundesrepublik das Ändern des Kilometerstands nach § 22 b StVG mit Freiheitsstrafen und Geldbußen bestraft. Unbewusste Falschangaben sind genauso gesetzeswidrig, wie ein Fall vor dem OLG Köln zeigt. Im Beschluss vom 09.03.2020 stellte das Gericht klar, das genauso eine irrtümliche Angabe eines zu niedrigen Kilometerstandes illegal ist. Der Anbieter hatte sich in seiner Offerte auf einer Handelsplattform schlicht verschrieben und 2.040 km statt 204.032 km in die Anzeige gesetzt. Prompt stufte der Algorithmus der Plattform das Fahrzeug als „TOP-Angebot“ ein. Der Käufer erhob darum Klage. Da half dem Verkäufer auch nicht, dass das Foto des Golfs eindeutig zeigte, dass es sich um ein älteres Modell handelte. Er wurde nicht nur zur Unterlassung, sondern zusätzlich zur Zahlung der Gerichtskosten verdonnert (Az. 6 W 25/20).

Die Prüfung des Kilometerstands schützt vor Abzocke

Trotz der strafrechtlichen Konsequenzen schreckt die aktuelle Rechtsprechung Betrüger*innen weder in Deutschland noch anderswo ab. Darauf lassen die hohen Zahlen an aufgedeckten Manipulationen schließen. Dazu kommt, dass der Autohandel innerhalb Europas grenzenlos ist, aber die Rechtsprechung am Schlagbaum wechselt. Wie jedoch kann man prüfen, ob der Kilometerstand plausibel ist? CARFAX hat dazu für dich Hinweise und Check-Listen zusammengestellt, die dir bei der Prüfung des Tachostands helfen:

  1. Als Erstes solltest du den Kilometerstand auf dem Tacho mit den Auto-Dokumenten vergleichen und auf Logik überprüfen. Dafür können die letzten Werkstattrechnungen, das sogenannte Scheckheft oder der TÜV-Report nützlich sein.

  2. Wann und wie oft ein Ölwechsel durchgeführt wurde, ist ebenfalls ein guter Anhalt für eine Plausibilitätsprüfung. In der Betriebsanleitung deines Autos steht drin, in welchem Turnus der Austausch ablaufen sollte. Beispiel: Es gab fünf Ölwechsel. Der Hersteller empfiehlt den alle 20.000 Kilometer. Also muss das Tachometer um die 100.000 Kilometer anzeigen. Der Wechsel sollte im früher genannten Scheckheft notiert, von der Werkstatt aufgezeichnet oder über Werkstattrechnungen dokumentiert sein. Eine andere Möglichkeit: Du suchst im Motorraum einen Aufkleber oder Anhänger des letzten Ölwechsels. Darauf vermerken Werkstätten beim Schmierstoffwechsel Datum und km-Stand.

  3. Ein weiterer Tipp sind Fotokopien der letzten Werkstattrechnungen. Frage den/die Verkäufer*in, ob du Kopien der Rechnungen bekommen kannst. Darauf sind die Kilometerstände zum Zeitpunkt der Servicetermine dokumentiert.

  4. Willst du ganz sichergehen, lass in der Werkstatt deines Vertrauens den Fehler- und Wartungsintervall-Speicher am Fahrzeug auslesen.

  5. Ebenso ist der Zustand der Verschleißteile und die Bereifung ein sicherer Hinweis. Hat das Auto noch die ursprünglichen Pneus und sind die noch gut in Schuss, weist das auf eine niedrige Laufleistung hin. Sieh dir den Zustand des Gaspedals an. Dessen Abnutzung lässt auf die bisherige Beanspruchung schließen.

  6. Einige ältere Autos, die noch zugelassen sind, verfügen über mechanische Tachos. Ist das der Fall prüfe, ob Kratzer am Tacho sind. Das könnte ein Warnhinweis sein, dass am Kilometerstand „gedreht“ wurde.

  7. Es ist wichtig, die genaue Angabe der Laufleistung in den Kfz-Kaufvertrag aufzunehmen. Hier reicht es nicht: Kilometerstand wie gesehen oder ähnliches. Mit dieser genauen Dokumentation lassen sich mögliche Regressansprüche besser belegen.


💡 Achtung, es kommt vor, dass Betrüger*innen vor dem Servicetermin den Kilometerstand nach unten justiert. Dann steht auf der Werkstattrechnung der manipulierte Tachostand. Darum ist es wichtig, dass man mehr als nur die Rechnung einsehen kann.

💡 Bei einem Wechsel auf eine andere Reifengröße muss das Tachometer neu justiert werden.


Wie kann man Tacho Manipulation erkennen

Hilfreich ist darüber hinaus die CARFAX Gebrauchtwagenhistorie. Der automobile Lebenslauf liefert wesentliche Hinweise darauf, ob die Angaben stimmen. Beispielsweise die Historie der Vorbesitzer: Je mehr das Auto schon ihr Eigen nannten und je älter das Fahrzeug ist, desto höher kann die Laufleistung sein. In einigen Ländern, die das datenschutzrechtlich erlauben, weist CARFAX im Report bereits darauf hin, wenn der Tachostand nicht plausibel ist.

Bist du nach all dem immer noch unsicher, lass einen Gebrauchtwagen-Check von einer Werkstatt oder einem Automobilklub vornehmen. Das kostet zwar, aber wenn du sicher gehen willst, ist das Geld bei einer Investition von mehreren Tausend Euro für das Auto gut angelegt.

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