StartseiteBlogBetrugsfälleTachomanipulation erkennen: Wie geht das und was tun bei Verdacht?
26 Februar 2020

Tachomanipulation erkennen: Wie geht das und was tun bei Verdacht?

Einen Gebrauchtwagen zu kaufen, ist nicht alltäglich und meist eine teure Angelegenheit. Logisch, dass man nur schwer einschätzen kann, ob ein Angebot seriös ist. Der Tachostand ist da ein wichtiges Indiz. Um höhere Preise zu kassieren, neigen unseriöse Gebrauchtwagenhändler dazu, den Tacho zu manipulieren. Den Kilometerstand mit dem entsprechenden Werkzeug zurückzudrehen ist einfach. Die Manipulation nachzuweisen dagegen nicht.

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💡 Den Kilometerstand zurückzudrehen, ist technisch kein Problem. Im Internet sind entsprechende Werkzeuge für rund 150 Euro legal bestellbar. Mit der Geräte-Software kann der Kilometerstand geändert werden und das meist ohne Ausbau über die am Fahrzeug installierte Buchse, die der Eingang für die Diagnose-Geräte ist.


Warum wird der Tacho zurückgedreht?

In 25 europäischen Ländern gelten die Manipulationen des Kilometerstands als unrechtmäßig. Doch die Strafen variieren vom Kavaliersdelikt bis hin zur Freiheitsstrafe. Das öffnet Tacho-Betrügereien Tür und Tor. Zudem verspricht der Gebrauchtwagenmarkt ein lohnendes Geschäft. Wie lohnend belegt die Umsatzstatistik. Beispiel Deutschland: Nach Angaben von Statista wurden im Jahr 2019 auf dem Gebrauchtwagenmarkt knapp 90 Millionen Euro erlöst. ​Das verführt Kriminelle zu einer erschreckend hohen Zahl an Tacho-Manipulationen. Im Schnitt sind 12 Prozent der Tachos in der EU manipuliert. Im grenzüberschreitenden Handel sogar zwischen 30 und 50 Prozent.

Wie kann man sich vor der Tachomanipulation schützen?

Viele europäische Länder haben bereits gute Lösungen etabliert. Die Belgier lösen das Problem zum Beispiel mit einem Zertifikat, das “Car-Pass” heißt. Darin muss lückenlos von Werkstätten oder den Prüfinstitutionen in einer Datenbank dokumentiert werden, was der Tachostand zum Zeitpunkt der Vorführung ausweist. Ähnlich ist es in den Niederlanden. In dem EU-Land gibt ein Pendant zum belgischen Autopass, den Nationale Auto Pas (NAP). In Schweden konnten seit der Einführung der Gebrauchtwagenhistorien von CARFAX die Tachobetrügereien laut der CARFAX-eigenen Unternehmensstatistik von etwa 10 auf unter drei Prozent gesenkt werden. Leider bietet Deutschland keine solche Lösung an, obwohl laut ADAC bei jedem dritten Gebrauchtwagen der Tacho manipuliert wurde. Das führte nach Angaben des Automobilklubs zu einer Schadenshöhe von sechs bis sieben Millionen Euro jährlich. Und das, obwohl die Bundesrepublik das Ändern des Kilometerstands nach § 22 b StVG mit Freiheitsstrafen und Geldbußen bestraft.

Dort, wo es keine staatlich etablierte Lösung gibt, bleibt den Gebrauchtwagenkäufer*innen nur die eigenständige Prüfung des Kilometerstands. CARFAX hat dazu Hinweise und Checklisten zusammengestellt, die bei der Prüfung des Tachostands helfen.

Tachimanipulation erkennen - Vorgehensweise:

  1. Kilometerstand auf Plausibilität prüfen. Den Kilometerstand auf dem Tacho mit den Auto-Dokumenten vergleichen und auf Logik zu überprüfen, kann sich lohnen. Dafür können die letzten Werkstattrechnungen, das sogenannte Scheckheft oder der TÜV-Report nützlich sein.

  2. Ölwechselintervalle überprüfen. Wann und wie oft ein Ölwechsel durchgeführt wurde, ist ein guter Anhalt für eine Plausibilitätsprüfung. In der Betriebsanleitung deines Autos steht drin, in welchem Turnus der Austausch ablaufen sollte. Beispiel: Es gab fünf Ölwechsel. Der Hersteller empfiehlt den alle 20.000 Kilometer. Also muss das Tachometer um die 100.000 Kilometer anzeigen. Der Wechsel sollte im früher genannten Scheckheft notiert, von der Werkstatt aufgezeichnet oder über Werkstattrechnungen dokumentiert sein. Eine andere Möglichkeit: Du suchst im Motorraum einen Aufkleber oder Anhänger des letzten Ölwechsels. Darauf vermerken Werkstätten beim Schmierstoffwechsel Datum und KM-Stand.

  3. Kopien der letzten Werkstattrechnungen anfragen. Frage den/die Verkäufer*in, ob du Kopien der Rechnungen bekommen kannst. Darauf sind die Kilometerstände zum Zeitpunkt der Servicetermine dokumentiert.

  4. Bordcomputer auslesen lassen. Willst du ganz sichergehen, lass in der Werkstatt deines Vertrauens den Fehler- und Wartungsintervall-Speicher am Fahrzeug auslesen.

  5. Verschleißteile überprüfen. Ebenso ist der Zustand der Verschleißteile und die Bereifung ein sicherer Hinweis. Hat das Auto noch die ursprünglichen Pneus und sind die noch gut in Schuss, weist das auf eine niedrige Laufleistung hin. Sieh dir den Zustand des Gaspedals an. Dessen Abnutzung lässt auf die bisherige Beanspruchung schließen.

  6. Mechanische Tachos auf Schäden prüfen. Einige ältere Autos, die noch zugelassen sind, verfügen über mechanische Tachos. Ist das der Fall, prüfe ob Kratzer am Tacho sind. Das könnte ein Warnhinweis sein, dass am Kilometerstand „gedreht“ wurde.

  7. Bei Importautos Fahrzeughistorie prüfen. Zwar kann CARFAX aktuell noch keine Informationen zu den Fahrzeugen aus der DACH Region anbieten, so decken wir den Rest Europas und die USA fast vollständig ab. Vor dem Kauf eines importierten Gebrauchtwagens kann sich ein Blick auf seine Historie lohnen.

  8. Laufleistung im Vertrag vermerken. Es ist wichtig, die genaue Angabe der Laufleistung in den Kfz-Kaufvertrag aufzunehmen. Hier reicht es nicht: Kilometerstand wie gesehen oder ähnliches. Mit dieser genauen Dokumentation lassen sich mögliche Regressansprüche besser belegen.


💡 Achtung, es kommt vor, dass Betrüger*innen vor dem Servicetermin den Kilometerstand nach unten justieren. Dann steht auf der Werkstattrechnung der manipulierte Tachostand. Darum ist es wichtig, dass man mehr als nur die Rechnung einsehen kann. 💡 Bei einem Wechsel auf eine andere Reifengröße muss das Tachometer neu justiert werden.


Checkliste: Wie kann man Tacho Manipulation erkennen

Wie kann man Tacho Manipulation erkennen

Bist du nach all dem immer noch unsicher, lass einen Gebrauchtwagen-Check von einer Werkstatt oder einem Automobilklub vornehmen. Das kostet zwar, aber wenn du sicher gehen willst, ist das Geld bei einer Investition von mehreren Tausend Euro für das Auto gut angelegt.

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