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Gefährlicher Betrug auf dem Gebrauchtwagenmarkt:  wie Schrottfahrzeuge auf Deutschlands Strassen gelangen
16 Juni 2026

Gefährlicher Betrug auf dem Gebrauchtwagenmarkt: wie Schrottfahrzeuge auf Deutschlands Strassen gelangen

(München, 16. Juni 2026) Organisierte kriminelle Netzwerke bringen seit Jahren zehntausende schwer beschädigte Unfallfahrzeuge auf Europas Straßen – oftmals als vermeintlich einwandfreie Gebrauchtwagen. Ermittlungen der Europäischen Staatsanwaltschaft (EPPO) sowie Recherchen der Süddeutschen Zeitung zeigen: Selbst Fahrzeuge mit manipulierten Sicherheitssystemen, fehlenden Airbags oder massiven Rahmenschäden erhalten in Deutschland teils ein TÜV-Siegel und werden anschließend an ahnungslose Käufer verkauft. Die Folge ist ein erhebliches Risiko für die Verkehrssicherheit – und ein Milliardenschaden für Verbraucher und Staat.

Im April 2025 und im Februar 2026 durchsuchten rund 1.000 Polizei-, Steuer- und Zollbeamte im Rahmen der internationalen Operation „Nimmersatt“ Objekte in mehreren EU-Staaten. Ziel war eine kriminelle Organisation, die demolierte Unfallfahrzeuge, überwiegend sogenannte „Salvage Cars“ aus den USA, nach Europa importierte, diese nur oberflächlich reparierte und anschließend als unfallfrei weiterverkaufte. Allein aus Litauen sollen mindestens 16.500 Fahrzeuge mit einem Umsatz von 144 Millionen Euro in den Markt gelangt sein. Der geschätzte Steuerschaden liegt bei mindestens 31 Millionen Euro, etwaige Folgekosten durch notwendige Reparaturen, Unfälle oder andere Sachschäden noch nicht mit eingerechnet. (Quelle: SZ, Schrottwagen mit TÜV-Siegel auf Deutschlands Straßen)

Wenn Sicherheitsprüfungen versagen

Besonders brisant: Die Fahrzeuge erhielten in vielen Fällen die notwendige technische Abnahme durch Prüforganisationen. Recherchen der Süddeutschen Zeitung dokumentieren mehr als 30 Fälle, in denen Staatsanwaltschaften gegen Kfz-Sachverständige wegen Falschgutachten ermittelt haben. Gerichte verurteilten mehrere Prüfer wegen Bestechung und Falschbeurkundung – teils zu mehrjährigen Freiheitsstrafen. In einzelnen Fällen erklärten Prüfer Fahrzeuge für technisch einwandfrei, die sie nie selbst gesehen hatten. Ermittler berichten von Gutachten mit Zeitstempeln von nur zwei Minuten – faktisch unmöglich für eine reale Prüfung.

Nach Angaben der Ermittlungsbehörden sollen Teile der Auftraggeber kriminellen Strukturen bis hin zur italienischen ’Ndrangheta zuzurechnen sein. Importierte Unfallautos wurden notdürftig zusammengeschraubt, sicherheitsrelevante Bauteile unfachmännisch repariert oder durch Attrappen ersetzt. Das TÜV-Siegel, für viele Verbraucher ein Symbol größtmöglicher Sicherheit, verlor in diesen Fällen seinen Schutzcharakter.

Ein lukratives Geschäftsmodell mit hohem Risiko

Der Import von Unfallfahrzeugen ist ein Milliardengeschäft. Laut CARFAX Datenanalyse wurden allein 2024 rund 303.000 Gebrauchtfahrzeuge aus den USA nach Europa exportiert – etwa 220.000 davon waren Totalschäden. Während diese Fahrzeuge in den USA nicht mehr zugelassen werden dürfen, erzielen sie nach der „Aufbereitung“ in Europa hohe Preise. Ein Beispiel aus den Ermittlungsakten: Ein schwer beschädigter Sportwagen wird für rund 10.000 US-Dollar ersteigert und später für 50.000 Dollar weiterverkauft. Je weniger in die Reparatur investiert wird, desto höher die Marge – auf Kosten der Sicherheit für die Insassen und andere Verkehrsteilnehmer.

Warum Fahrzeughistorien für Transparenz sorgen

Transparente Fahrzeughistorien können Unfallschäden, Einstufungen als Totalschaden, Laufleistungsmanipulationen und grenzüberschreitende Auffälligkeiten sichtbar machen – unabhängig davon, wo in Europa ein Auto aktuell angeboten wird. Sie ermöglichen Käufern, Händlern und Plattformen eine zusätzliche, objektive Informationsquelle und können helfen, systematischen Betrug frühzeitig zu erkennen. Gerade im internationalen Gebrauchtwagenhandel, in dem Fahrzeug-Dokumentationen verloren gehen können, tragen solche historischen Daten dazu bei, Risiken zu reduzieren und Vertrauen zurückzugewinnen.

Verbraucher besser schützen

Die Fälle rund um „Nimmersatt“ und weitere europäische Ermittlungen wie „Crime Cars“ zeigen: Der Gebrauchtwagenbetrug ist kein Randphänomen, sondern ein grenzüberschreitendes, organisiertes Geschäft. Zusammen mit Renato Schipani, seit 30 Jahren Criminal Intelligence Officer bei Interpol, präsentierte CARFAX Europe auf der Marktplatz-Konferenz AutosBuzz tiefe Einblicke in die Machenschaften des organisierten Verbrechens im europäischen Gebrauchtwagenmarkt und zeigte, welche Strategien und Werkzeuge Online-Marktplätze in die Hand nehmen können, um mit Transparenz Sicherheit und Vertrauen zu schaffen.

„Es ist heute wichtiger denn je, dass Verbraucher Zugang zu möglichst umfangreichen Fahrzeuginformationen erhalten. Transparente Fahrzeughistorien sind ein zentraler Baustein, um gefährliche Betrugsmodelle aufzudecken, Kaufentscheidungen abzusichern und die Sicherheit auf Europas Straßen zu erhöhen. Wie der INTERPOL-Experte Renato Schipani kürzlich auf der AutosBuzz-Konferenz erklärte, können große Plattformen im Gebrauchtwagenhandel für Kunden sicherer werden, wenn die Zusammenarbeit mit den Strafverfolgungsbehörden verstärkt wird“, erklärt Frank Brüggink, Managing Director und Gründer von CARFAX Europe.

Wer vorher checkt, spart böse Überraschungen.